Wie viel Druck ist gut für mein Pferd?


Wie oft sieht man, dass das Pferd liebevoll auf den Hals geklopft wird. Warum klopft der Reiter so beherzt auf sein Pferd ein? Nur weil das Pferd ein so großes Tier ist, heißt das nicht gleich, dass es eine dicke Haut hat oder unsensibel ist.

Beobachte das Pferd, wenn es einfach nur dasteht und sich eine Fliege auf das Fell setzt. Das Pferd zuckt sofort an der entsprechenden Stelle, um die Fliege loszuwerden. Probiere das einfach mal selbst aus, indem du leicht mit dem Fingernagel an irgendeiner Stelle leicht kitzelst. Dein Pferd wird genau das Gleiche tun wie zuvor mit der Fliege. Die meisten Pferde gewöhnen sich mit der Zeit daran, dass sie „geklopft“ werden zur Belohnung. Bei Pferden, die das nicht kennen, sieht man beim genaueren Hinsehen am Blick, dass es dem Pferd eigentlich nicht gefällt oder es sich gar fragt, warum werde ich jetzt gehauen…

 

Mache dir zwischendurch bewusst, dass das Pferd zwar groß ist, aber doch so viel mehr merkt, als man manchmal glaubt.

 

Diese Feinheit kann man gut nutzen für die Arbeit am Pferd und diese gezielt übertragen bei der Bodenarbeit und schlussendlich auch beim Reiten. Gerade Pferde, die es nicht gewohnt sind mit Samthandschuhen angefasst zu werden, blenden körperlichen Druck von außen bis zu einem gewissen Grad aus. Das kann man ändern, so dass später sogar nur ein Blick reicht, um Druck auf eine bestimmte Stelle auszuüben und zum Beispiel das Weichen zu üben und zu nutzen.

 

Probiere es aus mit dem Ziel, dass das Pferd deinem Druck weicht. Hab Geduld und gib deinem Pferd so viel Zeit wie es braucht.

1.       Lege deine Hand an die Hinterhand deines Pferdes

2.       Übe Druck aus und beobachte dein Pferd

 

Reicht der Druck aus oder passiert nichts?

3.       Wenn dein Pferd keine Ausweichreaktion zeigt, dann verstärke den Druck gleichmäßig

 

Am Anfang kann es sein, dass du sehr viel Druck ausüben musst - das wird sich ändern.

4.       Weicht dein Pferd dem Druck aus – auch wenn es nur ein bisschen ist, lasse sofort (!) los

 

Das Pferd wird schnell lernen, dass, wenn es deinem Druck weicht,  es sofort dafür belohnt wird indem der Druck nachlässt.

 

Ich beobachte oft, dass wenn Druck aufgebaut wird – zum Beispiel Leinenzug – dieser nicht nachlässt, auch wenn das Pferd der Aufforderung folgt. Die Leine bleibt dauerstramm. So erzieht man sich ein Pferd, das mit Gegendruck arbeitet. Denn was hat ein Pferd davon deinem Druck zu weichen, wenn dieser unangenehm beibehalten wird?

 

Belohne dein Pferd dafür, dass es deinem Druck weicht indem der Druck sofort nachlässt. Es wird nicht lange dauern und es reicht nur ein leichter Druck oder eine Aufforderung.

 

Meine Erfahrungen mit dieser simpel klingenden Übung sind die, dass mein Pferd mit der Zeit gelernt hat von einem sehr starken Druck nun auch durch leichten Druck zu weichen (Sensibilisierung). Es reicht mitunter sogar aus, auf die entsprechende Stelle zu schauen und sich darauf zu konzentrieren und das Pferd bewegt sich ohne Anfassen. Dies macht einem bewusst, wie fein Pferde auf den Menschen reagieren – können.  



Druck kann unterschiedlich aufgebaut werden:

  • nutze die Finger oder auch die ganze Handfläche
  • erhöhe den Druck schrittweise
  • lasse sofort mit dem Druck nach, wenn das Pferd weicht

 


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Kommentare: 1
  • #1

    André (Mittwoch, 22 Oktober 2014 08:22)

    Dein Tipp mit dem Handflächendruck.... Ich habs probiert.....echt erstaunlich! Werde es mal weiter "sensibilisieren" ;-).

    Danke!